Das Internet sagt „Guttbye“ und „Ja“ oder „Nein“ zu Atomkraft

Nachdem ich also meine Anmeldung erfolgreich durchgeführt hatte, ging es auf wackeligen Beinen auf die spannende Erkundungsreise der sozialen Netzwerkplattform.

Zunächst einmal fand ich alte Freunde wieder, die heute auf der ganzen Welt verstreut lebten. Auch wenn man abends jemand neu kennenlernte und in Kontakt bleiben wollte, reichte nur ein kurzes „Bist du auch bei StudiVZ oder Facebook“ und man konnte jemand Neues in sein Netzwerk einfügen.

Doch was einem nach den ersten paar Tagen sogleich in den Bann zieht (VORSICHT: akute Suchtgefahr!) sind die „Posts“ der Freunde und deren Freunde, die auf der Startseite erscheinen.

Sollte man doch meinen, dass es schnell langweilig werden könnte, zu lesen was sich Anna Sojabohne zu Mittag Leckeres gekocht hat oder dass Peter Sonnenschein an diesem Tag als garantiert erster stolz berichtet, dass es heute schneit, so kommt man nicht umhin zuzugeben, dass man doch zumindest regelmäßig diese Nachrichten überfliegt, da man doch ein paar interessante Fakten unter dieser Informationsflut vermutet. Sei es nur, dass man sein Mitgefühl bekundet, in dem man ein „Aaah, morgen schreibe ich Statistik und ich versteh es einfach nicht“ der Kommilitonin mit einem überaus originellen „Oh nein“ kommentiert oder von der Hochzeit seiner um Dreiecken-Verwandtschaft erfährt („Glückwunsch“). Mia hat gerade ein Video von einem lustig lachenden Baby gepostet, Matze freut sich, dass der „Glubb“ ein Tor geschossen hat, Nadine hat sich gerade ein paar leckere Nudeln gekocht, Regine freut sich über die Prophezeiung ihrer Glücksnuss („Du wirst einmal einen reichen Mann heiraten“), Stephanie kommt gerade von einem herrlichen Surf-Tag am Strand irgendwo in Australien in ihr Hotelzimmer zurück, zum Beweis kann ich mir ein paar ihrer aussagekräftigen Urlaubsfotos ansehen, die sie per Handy-Upload direkt online gestellt hat, Ines hatte Geburtstag, Timo langweilt sich, … und und und… Die Hauptmeldungen beginnen sich zu überschlagen.

Äußerst nützlicher dagegen ist die Tatsache, dass man über die soziale Netzwerkplattform des Vertrauens von besonders aktuellen Ereignissen sofort erfährt – so könnte kaum ein Fernsehsender schneller reagieren.
Damals feuerte die ganze Welt den aufstrebenden Star am amerikanischen Politikhimmel an („Yes we Can“, „Go Obama“), heutzutage erfährt man hier als erstes, dass (erst Dr. dann nicht mehr Dr.) Guttenberg zurück getreten ist. Die Twitter- und Facebook-Welt spaltete sich an jenem Dienstag: Von hämischen „Guttbye“-Rufen bis zum Start von Initiativen à la „Guttenberg soll bleiben“ war alles vertreten. Neu an dieser speziellen Affäre war, dass die unglaubliche Macht des Online-Kollektivs zur entscheidenden Wendung bis hin zum Rücktritt beitrug. Durch Aufrufe ermuntert, überprüften zahlreiche Internet-User mit einer Unermüdlichkeit die Dissertation und veröffentlichten Textpassagen, zu denen keine Quellen angegeben wurden, auf der „Guttenplag-Wiki“- Seite.

Nun, die Online-Community hatte sich schon wenige Tage danach wieder den spannenden Themen zugewandt: Was mache ich mir heute zu essen, bin ich heute gut drauf oder nicht und ganz wichtig: was prophezeit mir meine heutige Glücksnuss („Du wirst heute einen wichtigen Anruf erhalten“).

Aktuell stehen natürlich Post zur Katastrophe in Japan hoch im Kurs und man fühlt sich schon fast indirekt aufgefordert, zur eigenen Position zu Atomkraft etwas verlauten zu lassen.
Was bei Alledem aber zumindest bleibt ist, dass ich nun genau die politischen Überzeugungen meiner Mit-User kenne. Ob es bei solchen Online-Äußerungen dann noch groß einen Unterschied macht, dass man ehemals bei der Profilerstellung gezögert hatte, seine politische Überzeugung zu veröffentlichen, sei mal dahingestellt.

Ich für meinen Teil halte mich bei solchen Diskussionen eher zurück, aber viel wichtiger ist, dass ich endlich den Absprung schaffe, mich auslogge und ins Bett verschwinde… wo ist denn schon wieder die Zeit hin? Der Zeiger auf meiner Uhr sagt mir, dass es schon viel zu spät ist und dabei habe ich doch nur kurz nach dem Abendessen nachsehen wollen, ob Eva Globetrotter gut in New York gelandet ist.

Mein Leben digital

– Ein neues Projekt, ein neues Blog –

Nachdem man  bei „Mein Web. 2.0“ allerlei nützliche Anregungen und Informationen rund um die verschiedensten Möglichkeiten des Internets erhalten konnte, startet nun eine neue Serie passend zum Projekt Datenschutz und Persönlichkeitsrechte in Social Networks, Foren & Co.“.

Hier werden nun regelmäßig Beiträge über die Welt der sozialen Netzwerkplattformen veröffentlicht. Ein Selbstversuch, der wie ein „Guckloch“ für all diejenigen fungieren soll, die schon immer mal ein Blick hineinwerfen wollten, aber auch für solche, die sich schon fest in den Fängen von Facebook, StudiVZ, Twitter und Co. befinden.

Witziges oder Skurriles, zum Lachen oder zum Kopfschütteln – Vorhang auf für „Mein Leben digital“:

Jaja dieses Facebook… Los ging es vor ein drei Jahren.

Anfangs dachte ich noch, StudiVZ, Facebook – wer braucht das schon. Meine Freunde treffe ich im realen Leben und dort gibt es auch noch so etwas wie ein Telefon.

Nun, Telefon gab es schon noch, es wurde halt nur nicht mehr so oft benutzt. Stattdessen verabredete man sich über StudiVZ, Facebook und Co. Manche versuchten noch, gegen den Trend anzuhalten, gaben aber nach der einen oder anderen Party, von der sie nichts erfahren hatten, weil sie nicht irgendwelchen Gruppen beigetreten waren, klein bei und meldeten sich doch mit einem leisen Seufzer an. Und alle konnten bei sich selbst die gleiche Entwicklung feststellen: Gestern noch fand man diese sozialen Netzwerkplattformen verwirrend, unübersichtlich und man stand dem ganzen Hype skeptisch gegenüber, heute postet man stolz, was man zu Mittag gegessen hat oder was in der Glücksnuss stand, die man gerade geöffnet hat…. Glücksnuss?! Ja, genau, das ganz persönliche Orakel für den Tag, mit motivierenden Worten, z.B. dass man eine alte Liebe wiedertreffen wird oder dass man mit seiner bezaubernden Persönlichkeit heute alles schaffen kann. Wer braucht da noch Kraken-Orakel Paul, der konnte dagegen nur Fußballergebnisse vorhersagen, oder nicht?

Doch wenn man sich schon mit Glücksnüssen oder Ähnlichem beschäftigt, dann hat einem der Hype schon gepackt. Aber alles beginnt erst einmal mit dem Registrieren.

Vor drei Jahren also meldete ich mich bei Facebook an, bei SchülerVZ und StudiVZ war ich natürlich schon stolzes Mitglied. Auf der Startseite von Facebook gab ich zunächst brav meinen Namen und meine E-Mail-Adresse an. Der erste Schritt war getan. Begrüßt wurde ich mit der Frage nach meinen Freunden: „Viele deiner Freunde sind vielleicht schon hier. Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden.“ Ich sollte mein E-Mail-Passwort angeben. Hmm, Freunde wollte ich schon, aber mein Passwort einzugeben, war mir dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Dies bedeutete natürlich, dass ich meine Freunde selbst suchen musste. 300 Freunde, wer braucht das schon… kennt man die dann alle persönlich? Ich wollte zunächst einfach nur mal mit einem Netzwerk aus engen Bekannten starten. Nach ein paar Angaben für mein Profil wurden mir auch sogleich ein paar Leute vorgeschlagen, die ich kennen könnte. Ui, woher wissen die denn, dass diese Leute zu meinem Umfeld gehören? Dann folgte nur noch das Hochladen eines Profilfotos (was zugegebenermaßen ein wenig Zeit in Anspruch nahm, weil man sich ja auch der neuen Welt geeignet präsentieren will) und dann konnte es losgehen – Hallo Facebook-Welt, hier bin ich!

Heute, drei Jahre später kann ich mir einen Alltag ohne Facebook gar nicht mehr vorstellen.

In welchem Hörsaal und zu welcher Uhrzeit findet die Marketing-Klausur statt? Um wie viel Uhr treffe ich mich mit meinen Mädels? Im welchem Land befinden sich meine ehemaligen Mitschüler? Und die Antwort, wie sollte es auch anders sein, finde ich auf……. Naaa? Richtig: Auf Facebook.

Soziale Netzwerkplattformen – zwei sperrige Wörter für eine große, virtuelle Welt, in der es viel Neues, Skurriles und auch Denkwürdiges zu entdecken gibt. Also, auf geht’s, zu einer Reise per Anhalter durch die SNS (=Social Networking Sites)-Galaxis.